Album Review: Besser spät als nie! Karnivool – Asymmetry

Was Karnivool 2009 mit Ihrem zweiten Album Sound Awake geboten haben, ist mit grandios noch deutlich untertrieben. Hier soll es heute aber um Ihr letztes Album Asymmetry aus dem Jahr 2013 gehen. Jetzt könnte der ein oder andere sagen, „hey, ist das nicht schon 3 Jahre her?“, „gut gerechnet!“ wäre meine Antwort. Sound Awake befindet sich seit Jahren auf meinem MP3 Player, ohne auch nur einmal aus Platzgründen ausgemustert gewesen zu sein und es wird regelmäßig gehört. Asymmetry befindet sich auch auf diesem, aber ich muss gestehen, dass ich bisher nur schwer einen Zugang gefunden habe. Die ersten 3 Songs machen es einem auch wirklich nicht leicht. Geändert hat sich dies, seit sich bei mir auf der Arbeit durch Teamerweiterungen einfach zu viel KollegInnen im gleichen Raum befinden und ich mich für Projektarbeiten aufgrund mangelnder Konzentration abschirmen muss. Dies stelle ich mit meinem etwas betagten iRiver H-140 und dem Sennheiser Momentum sicher. Ja, ich schwafel gern, na und!  Ich kam auf jeden Fall durch diesen Umstand dazu, das Album in aller Ruhe noch einmal zu hören und plötzlich war es da und ich verstand es. Es ist unfassbar vielseitig, rhythmisch enorm komplex und vielschichtig arrangiert.

Der Opener Aum leitet mit düsterer Note ein um nahtlos in das im ersten Augenblick etwas sperrige Nachash zu wechseln. Es ist so, als wenn die Band sagen wolle: „Nimm Dir Zeit für uns, es lohnt sich!“ Wenn dem so wär, kann ich dem nur zustimmen. Der Song gefiel mir anfangs überhaupt nicht. Ich fand ihn sehr gut gespielt, sehr gut gesungen, aber eben etwas schwer eingängig. Nach einigem Hören wird er immer besser. Spätestens aber beim nächsten Track A.M.War bestätigt sich auch genau dieses bockige. Der Song ist an Sperrigkeit kaum zu übertreffen. Die Stimmung passt hier aber wenigstens gut zum Thema. Eine Art Herztodpiepen liefert den Übergang zu We Are. An der Stelle wird es eingängiger. Hier wird man das erste Mal deutlich an Sound Awake erinnert. Ein wunderbarer Song im unverkennbaren Karnivool Gewand. Die Wechsel zwischen tief gestimmten crunchigen Gitarren und melodiösen Passagen fügen sich am Ende mit einem mehrstimmigen Gesang zusammen, um dann mit The Refusal sehr viel härter zu werden. Man könnte die ersten 5 Songs durchaus als eine Einheit sehen, insgesamt als sehr stimmig einzuordnen. Aeons ist eine Downtempo Nummer wie sie eigentlich nur Sänger Ian Kenny abliefern kann. Genial gesungen, wieder diese sehr tief gestimmten Gitarren, absolut schöne Melodiewechsel, vielseitig, mal laut, mal leise, schön! Den Bruch schafft dann der Titeltrack Asymmetry. Karnivool wollen uns hier offenhörbar aus einem Traum aufwachen lassen. Eintönig, abweisend, rauh, am Ende wie ein digitaler Fehler. Gefolgt wird das ganze von Eidolon, ein Schmeichler, gradlinig, grundsolide, ein toller Rocksong mit Hit-Charakter. Man kann an keiner Stelle des Albums von Vorhersehbarkeit sprechen. Und auch jedes einzelne der Stücke  zeigt Vielseitigkeit, ist nie langweilig, man entdeckt immer wieder Veränderungen an den Kompositionen, die Songs entwickeln sich. Da macht auch Sky Machine keine Ausnahme. Es ist wunderbar arrangiert, macht die insgesamt fast 8 Minuten Spaß. Mit Amusia geht es wieder härter zur Sache, der Song ist praktisch auch nur ein relativ kurzer Auftakt zum Song The Last Few. Wieder eher etwas sperriger, klingt auch im ersten Moment etwas arhythmisch, ist aber nur bedingt durch die Spielweise von Drummer Steve Judd. Der Song wird zum Ende hin eher sanft und wechselt in das traumhaft schöne Float. Ian Kennys Falsett Gesang bietet einen guten Kontrast zum zuvor gehörten. Alpha Omega bleibt mit graden Takten zunächst voll auf Eingängigkeit getrimmt. Kennys Stimme anfangs eher zurückhaltend lädt der Song erst zum Nachdenken ein, um dann in der zweiten Hälfte laut und unruhig zu werden. Das A und O eines komplexen Karnivool Songs könnte man sagen. Den Abschluss bilden die sehr leisen Töne von OM. Dieses spärische Piano lässt einem praktisch wieder auf der Erde landen.

Asymmetry ist mehr als spannend, es trotzt geradezu vor Innovation. Was die 5 Australier hier aufgenommen haben ist grandios. Auch klanglich kann man sagen, dass dieses Album nach Sound Awake wieder einmal ein absoluter Ohrenschmaus ist. Auch im lautesten und dichtesten Soundgewirr bleibt zu jeder Zeit alles scharf umrissen und ermüdet die Ohren auch bei größerer Lautstärke kaum. Etwas eigenwillig ist der Klang dann aber dennoch. Man kann es schlecht in Worte fassen, ob es die vordergründigen Drums sind oder die oftmals stark verzerrten Gitarren, alles in allem klingt aber alles wie aus einem Guss und stimmig. Man darf nun über den Musikstil streiten, das konnte man bei Karnivool aber auch schon immer. Das letzte Album klang teilweise noch sehr floydig. Psychedelic Rock ist es teilweise, aber auch Artrock, Independant und auf jeden Fall Progressive Metal. Oft wird versucht sie zu vergleichen mit Bands wie Tool, Muse oder A Perfect Circle. Tatsächlich, und das können nur ganz wenige Bands von sich behaupten, haben Karnivool mit Ihrer Musik ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen. 

Was ich anfangs leider nicht gemacht habe, ist sich Zeit für dieses Album zu nehmen. Wenn man es – und das sollte man unbedingt tun – einige Male gehört hat, platzt irgendwann der Knoten im Kopf und dieses Album ist in seiner Gesamtheit ein wahrer Schatz. Einfacher gestrickte Gemüter werden Asymmetry aber vielleicht nichts abgewinnen können, hier ist schon ein eher ambitionierter Progressive Rock Hörer gefragt. Nicht zuletzt erklärt dies auch die Rezensionen, die dieses Album teilweise als schwächer als die vorigen bezeichnet haben. Da war wohl jemand zu voreilig, also ich brauchte 3 Jahre. Aber besser spät als nie…

Bandmitglieder:

Drew Goddard – Guitar
Ian Kenny – Vocals
Jon Stockman – Bass
Mark Hosking – Guitar
Steve Judd – Drums

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