Album Review: Red Bazar – Tales From The Bookcase

Hier haben wir sie wieder einmal, eine geniale Perle der Progressiven Rock Musik, Red Bazar. Nach 2 Alben und einer EP kam im Mai dieses Jahres das dritte Album ‚Tales From The Bookcase‘ heraus. Ja, ich bin nicht der schnellste, ich weiß. Nicht umsonst habe ich unter anderem aber die Rubrik ‚Besser spät als nie‘ eingeführt. Da wir noch gerade noch in 2016 sind kommt sie aber nicht in Frage. Das Ding ist einfach, dass wir bei RSD hier in erster Linie Radio machen und man auf Musik oft erst später aufmerksam wird, ich gelobe aber Besserung, was mich nicht davon abhalten wird, hier auch ältere Alben zu besprechen. Wem das nicht gefällt, kann es mir gern unten in die Kommentare schreiben. Zur Belohnung gibt es dann exklusiv ein Review zum 1973er Pink Floyd Album ‚The Dark Side Of The Moon‘  Kommen wir aber zum Thema zurück. Bisher hörte man von Red Bazar immer nur Instrumental Tracks, dieses Mal gesellte sich aber Tiger Moth Tales Sänger Peter Jones zu Ihnen, um Ihre Musik zu komplettieren. Ich kann jetzt schon sagen, dass es mehr als aufgegangen ist.

Mit ‚In The Beginning‚ läutet das Album ein und man weiß sofort, worum es hier geht. Es klingt definitiv etwas floydig, das ist schon mal sehr gut. Ein schönes 3 Minuten Intro, klanglich ein guter erster Eindruck. Mit ‚Queen Of The Night Part 1‚ wird es rockig und wir hören den blinden Sänger Peter Jones das erste Mal. Anfangs weniger durchgesungen, eher im erzählerischen Stil. Gegen Mitte des Songs wird gesanglich aber klar, was wir da haben. Jones ist eine Perle und erinnert mich plötzlich an Genesis‘ Peter Gabriel der 1970er Jahre. Die Stimmungswechsel wären für Genesis aber ganz klar viel zu hart. Der Song bleibt mir förmlich an den Ohren kleben, ich sehe der letzte Song bringt aber einen zweiten Part, ich freue mich drauf. Mit ‚Calling Her On‚ haben wir mit 11 Minuten einen ausgewachsenen Long Track. Mein erster Gedanke geht Richtung Marillion, als der Song ertönt. Das liegt aber eher daran, dass ich grad etwas zu analytisch eingestellt bin. Zu keiner Zeit wirkt etwas kopiert. Gerade auch hier wird super in den Stimmungen und Taktarten gewechselt. In den etwas härteren Phasen muss ich an Ray Wilson denken, diese Art der Musik würde ihm einfach sehr gut stehen, aber ich schwafele schon wieder zu viel. Sehr schöner Song, Neo-Prog pur. Auch bei ‚City And The Stars‚ gehen Red Bazar in die gleiche Richtung. Ebenso gut strukturiert, sehr schöne Gitarrenparts und auch hier erinnert mich die leichte Theatralik im Gesang an den 1970er Phil Collins und Peter Gabriel. Viele sagen hier Retro-Prog, was ich auch voll unterschreiben würde und ich bin glücklich darüber. Etwas andere Akzente setzt ‚Lights Of Home‚, mit 12 Minuten auch wieder einer der längeren Long Tracks. Ich vergesse weiter zu schreiben, der Song fasziniert mich, okay jetzt aber. Moment, was ist das denn für ein Tempowechsel und anschließend dieser wunderschöne Break ab Minute 5? Dieser Song ist absolut genial und abwechslungsreich, seine Länge ist auf den Punkt genau richtig so. Die rhythmisch etwas vertrackte Ballade ‚Sunset For A New World‚ ist okay, reißt mich aber jetzt nicht so richtig vom Hocker. Da mein Analyse-Modus noch immer eingeschaltet ist, hätte der Track auch von Steven Wilson sein können. Nicht, weil ich ihn nur so gang okay finde, ich liebe Steven. Dieser teilweise mehrstimmige Gesang erinnert mich einfach an ihn. 2 Minuten kürzer und er wäre genau die richtige Abwechslung gewesen. Nun ist das Album fast vorüber, was mit ‚Almost Over‚ auch deutlich angekündigt zu sein scheint. Der Song folgt konservativ die progressiven „Regeln“, so ganz mitreißen will er mich aber nicht, was dieses Mal mal am Gesang liegt, instrumental bin ich voll dabei. Bevor ich es vergesse und der letzte Track erklingt. Ich habe des öfteren gelesen, dass dieses Album als Symphonic Prog bezeichnet wird, was ich überhaupt nicht unterschreiben kann. Tragende Synthie Strings oder ähnliche Keys halten sich hier generell deutlich zurück. Nun ist aber der zweite Part von ‚Queen Of The Night‚ dran und dieses Mal lässt er sich sehr schön viel Zeit. Auch hier wieder das spoken-words-artige, aber doch etwas „gesungener“. Die letzten 5 Minuten sind mir dann aber in ihrer epischen Art doch etwas zu lang.

Insgesamt ein wirklich wunderbares Album, wer Marillion, frühe Genesis, Porcupine Tree oder Pendragon mag, sollte sich Red Bazar unbedingt zu Gemüte führen. Das anfänglich floydige beschränkt sich nur auf das Intro, davon ist ansonsten nichts mehr zu hören, was aber keinesfalls schlecht ist. Klanglich muss man aber leider ein paar Abstriche machen, hier sind deutlich Defizite auszumachen. Insgesamt relativ mittig, spitz und etwas flach abgemischt und bei stärkerer Dichte wird es dann auch leicht breiig und undifferenzierter. Ein wenig mehr Range nach unten wäre auch schön gewesen, an den Bassisten muss man sich erst erinnern, wenn man sich die Besetzung ansieht. Nichts desto trotz ist ‚Tales From The Bookcase‘ musikalisch ein sehr gelungenes Album und ich freue mich jetzt schon auf mehr. Im Zweifel höre ich mir mal wieder Tiger Moth Tales Album ‚Cocoon‘ an, da glänzt Peter Jones ähnlich…

Besetzung:
Peter Jones – Vocals
Andy Wilson – Guitar
Gary Marsh – Keyboards
Mick Wilson – Bass
Paul Comerie – Drums

Red Bazars Website

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