Neues Album von Nazareth

Nazareth – Tattooed On My Brain

50 Jahre ist es nun her, dass eine Band aus Schottland namens Nazareth
sich aufmachte, eine entscheidende Rolle bei der Definition des Hard
Rocks zu spielen. Jetzt, im Jahr 2018, quasi zum goldenen Jubiläum, gibt
es das 24. Studioalbum der Band: „Tattooed On My Brain“ (Frontiers
Records; veröffentlicht 12.10.2018). Und es hat sich was getan bei
Nazareth!

Mit den 13 Songs des Albums zeigen die Jungs, dass sie noch immer jede
Menge Spaß am Hard Rock in allen Variationen haben – und diesen Spaß
bringen sie auch rüber. Es geht gleich richtig heavy los mit „Never
Dance With The Devil“, gefolgt vom Titelstück „Tattooed On My Brain“,
das ein wenig an Nirvana erinnert. „State Of Emergency“ ist pure Power,
während „Rubik’s Romance“ einen ordentlichen Schuss Blues abbekommen
hat. „Pole To Pole“ – Anspieltipp! – könnte problemlos auch auf einem
AC/DC-Album zu finden sein. Bester Boogie Rock. „Push“ und „The Secret
Is Out“ haben wieder den Blues, ehe mit „Don’t Throw Your Love Away“ und
ganz besonders bei „Crazy Molly“ kräftigster Hard Rock die Ohren
freispült. Die „Silent Symphony“ ist alles andere als leise (hier droht
der Tinnitus, echt!), ehe es mit „What Goes Around“ und „Change“
krachend auf die Zielgerade geht. Den Abschluss bildet die
6-Minuten-Ballade „You Call Me“ – Frage: wieso enden Hard Rock Alben
eigentlich immer mit einer Ballade? Klischee?.

Wer aber ist Nazareth im Jahre 2018? Von den Gründungsmitgliedern ist
mittlerweile nur noch der Bassist Pete Agnew dabei. Dessen Sohn Lee
Agnew trommelt und Jimmy Murrison greift seit 1994 in die Saiten der
Lead Guitar. Neu in der Truppe ist Sänger Carl Santance, der u. a. für
Krokus, Power Project und Don Airey (Keyboarder von Deep Purple) schon
zum Mikrofon griff. Nazareths langjähriger Sänger Dan McCafferty musste
2013 wegen einer schweren Lungenerkrankung aus der Band aussteigen und
wurde zunächst durch Linton Osborn ersetzt, der seinerseits bereits nach
einem Jahr aus ebenfalls gesundheitlichen Gründen passen musste.

Carl Santance klingt stimmlich vollkommen anders als Dan McCafferty, was
viele eingefleischte Nazareth-Fans schwer irritiert. Auch sein
Gesangsstil unterscheidet sich mehr als deutlich von dem McCaffertys.
Vielleicht hat sich die Band auch aus diesem Grund soundmäßig deutlich
umgestellt, vielleicht ist es auch nur (?) der maßgebliche Einfluss von
Carl Santance auf den Stil der Band.

Wenn eine alteingesessene Band ihren Frontmann austauscht, gibt es
immer heftigste Diskussionen um das Thema: Ist das noch die alte Band?
Die Antwort ist in diesem Falle klar: Nein, sie ist es nicht. Macht
dieser Fakt das Album schlecht? Nein, auf keinen Fall. Aber mit dem
Namen Nazareth entsteht eine gewisse Erwartungshaltung beim Hörer, und
die wird nicht erfüllt. Alles klint anders. Wäre das Album unter einem
anderen Bandnamen erschienen (etwa „Bethlehem“ – kleiner Witz!), würde
es vermutlich deutlich besser bei den Hard Rock Fans ankommen. Trotzdem
gilt: Das Ding ist sein Geld wert! (8 von 10 Punkten)

Euer Siggi
Moderator bei RSD Radio

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