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Review: „Psychoakustik“ von KELLERKIND

Kellerkind veröffentlicht zweites Album: Psychoakustik

Über den Musiker

Hinter dem Synonym SID KELLERKIND versteckt sich kein geringerer als der Sänger der Glam-Rock-Band THE PUSSYBATS. In seinem Soloprojekt bringt er auf recht minimalistischem Wege Songmaterial ein, dass bisher in keine seiner anderen Bands passte. Bereits 2012 veröffentlichte KELLERKIND unter gleichem Namen das Debut-Album. Bedurfte es damals noch etwas Mut „Schwanz“ zu singen, so kann ich nach hören des kommenden Album PSYCHOAKUSTIK von einem inzwischen definitiv gefestigtem Selbstvertrauen ausgehen und dass SID KELLERKIND sich die Frage nach Tabus jetzt wohl nicht mehr stellt. Gute 20 FUCK! in einem Lied machen das mehr als deutlich.

Insgesamt kommt der Stil von Musik und vor allem Gesang anständig rotznäsig daher. SID KELLERKIND will anecken und sicherlich alles andere als artig sein und im großen Strom mitschwimmen.

Das Album

Viele der Songs beschäftigen sich mit dem täglichen Leben. Alles was wir auch aus unseren Leben kennen, bekommen wir in TOLL auf die Ohren. Sei es der Wunsch sich nicht verbiegen zu müssen, verbunden mit dem Aufbegehren wenn es doch von außen versucht wird, oder der Frage wo man eigentlich gerade so im Leben steht. Melancholisch erkennt KELLERKIND dann die Sehnsucht nach notwendiger Veränderung, ärgert sich aber auch, irgendwie nicht in die Puschen zu kommen. Mit LIEBLINGSMÄDCHEN serviert er uns eine Hommage an die gradlinigen Frauen dieser Welt. Der Song macht deutlich, dass Verbiegen und Anpassen nicht automatisch attraktiver machen.

Schön finde ich, dass es KELLERKIND gelungen ist, einen Ohrwurm auf dem Album zu platzieren. ALLEINE TANZEN beginnt von vornherein mit einem angenehmen Tempo, liefert zudem einen tollen schwungvollen Refrain und insgesamt einen schön einfach mitzusingenden Text. „Tanzen allein ist scheiße“ singt SID. Stimmt, aber mit dem Song wird die Tanzfläche vermutlich auch nicht leer bleiben.

LIVE TODAY – Lebe heute…. Wer weiß schon, wie lange man auf dieser Erdenkugel herum spazieren darf? Also alles mitnehmen und so viel und so laut feiern, wie einem ist. Übrigens ist dies das Lied mit den über zwanzig FUCK :-)

In die gleiche Kerbe schlägt auch 300 SEKUNDEN, eine Zeit die sich einfach jeder mal für sich nehmen sollte, um einfach mal aus dem Hamsterrrad des Lebens auszusteigen und mal zu verschnaufen. Von der Thematik her ganz klar mein Lieblingslied. Der Knaller wäre gewesen, liefe der Song auch 300 Sekunden ;-)

KOTZEN ist doch auch wieder so ein Wort, was Harmoniesüchtigen eher zuwider sein dürfte. Keine Sorge, denn mit Harmonie hat der Song auch echt nicht viel am Hut. Eher mit Ironie und Sarkasmus und der Feststellung, dass es einem eigentlich gut gehen kann, man aber irgendwie doch nie zufrieden ist. Melodisch und textlich ein ganz fieser Ohrwurm und fein gemacht.

Düster traurig und melancholisch kann KELLERKIND auch sehr gut. Einer der rar gesäten englischsprachigen Titel ist THE MAN WHO COULDN´T CRY. Irgendwie schossen mir THE CURE gleich in den Kopf als ich das Lied hörte. Auf jeden Fall war mir diese in den 80ern und 90ern vertraute düstere Stimmung gleich inne. Und ein Hauch von Gänsehaut, die mir aber alsbald mit dem Song RENNEN wieder genommen wird. Auffällig aufwändig im Vergleich zu den vorigen Songs arrangiert, verziert mit einem von Gitarren und Drums dominiertem Intro. Das Lied imponiert für mich am deutlichsten mit den wechselnden Phasen von schnell und laut zu gedämpft leise und entschleunigt. Mein Favorit auf PSYCHOAKUSTIK. Deutlich ruhiger fließt KALTBLÜTIG in die Ohren. Der Rhythmus lädt zum Mitschnippsen ein und SID KELLERKIND sehnt singend den Sommer herbei.

WANN ist voll von Sehnsucht und Mutlosigkeit, als wäre man zurecht Zuhause rausgeschmissen worden. Ein wenig Gitarre, ein wenig Schlagzeug, etwas Hall in der Stimme, mehr braucht SID KELLERKIND nicht für ein düstertrauriges Lied.

Richtig minimalistisch wird es in RAUS nur für die Stimme des Sängers. Bewusst farblos abgemischt lehnt er sich gegen Mitläufertum auf. Nicht alles gleich denken, nicht einfach hinnehmen nur weil andere das auch so machen. Da ist KELLERKIND definitiv raus und happy dabei.
Auf PSYCHOAKUSTIK ist dann auch noch ein Bonus-Track der HUNGER heißt. Die Frage ob der Titel nun englisch oder deutsch ausgesprochen wird, wurde rasch im Song beantwortet: es geht beides, denn SID KELLERKIND singt das Lied zweisprachig. Abgesehen vom Gesang kommt in HUNGER nur noch eine Gitarre zur Geltung, was die Aufmerksamkeit gänzlich auf den Text zieht. Minimalistisch, ehrlich gerade raus, gut.

Fazit

PSYCHOAKUSTIK ist schon nicht mehr ganz so sparsam arrangiert, wie das einstige Debut-Album. Dennoch beschränkt sich KELLERKIND auf wenige Instrumente und seine Stimme, variiert aber für mein Gehör hervorragend mit den einzelnen Lautstärken und beeinflusst so sehr schön Emotionen und Wirkung der Texte. Die Texte könnten eigentlich von jedem geschrieben worden sein, denn sie sind aus dem alltäglichen Leben gegriffen und man findet sich in vielen Songs durchaus gut wieder. Auch wenn ich nun standesgemäß bei sterilem, neutralweißem Licht am Schreibtisch rezensiert habe, so werde ich mir dieses Album noch einmal in ganz gemütlicher Atmosphäre anhören. Denn in genau diese Atmosphäre gehört PSYCHOAKUSTIK hin; Badewanne, Kamin oder Club… Hauptsache gemütlich.

Das Album erscheint am 14. April 2017 unter dem Label7music.

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https://twitter.com/daskellerkind

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