Album Review: Blackfield – V

Ich sitze hier grad im sogenannten Theatrium auf dem Kreuzfahrtschiff Aida Prima, gucke auf das schier endlose Wasser des Ärmelkanals und höre mir endlich das neueste Album von Backfield an. „V“ heißt es schlicht und ist, wer hätte es gedacht, das 5. von Aviv Geffen und Steven Wilson. Produziert und gemischt wurde das Ganze von Alan Parsons. Oft wurde der Releasetermin schon verschoben, nun soll es der 10.02.2017 werden, ein Glück habe ich schon eine Promokopie.

Der erste Song A Drop In The Ocean passt irgendwie wie Arsch auf Eimer. Ein schönes verträumtes Intro mit weichen Strings, nicht nur ein Tropfen im Ozean. Leichtes Meeresrauschen. Ist das der Song oder die Nordsee, beides vermutlich. Aus der verträumten Stimmung erwacht man mit dem lauten Family Man. Ich weiß nicht, ob es an der Promo liegt, ich hoffe es eigentlich sehr, denn der Sound ist mir deutlich zu komprimiert. Wenn man sich überlegt, dass hier Alan Parsons an den Reglern sitzt. Der Song selbst ist eingängig und blackfieldtypisch melidiös komponiert. How Was Your Ride? kommt etwas langsamer daher, ist erfreulicherweise mit fast 4 Minuten etwas länger und klingt absolut nach einem Steven Wilson Song. Schönes Piano, etwas melancholichere Gitarrensolis. Wie mein Ritt war will er wissen? Auf meiner 7-tägigen Seereise eher ruhiger! Mit We’ll Never Be Apart bleibt es zwar eingängig, die etwas markanteren Drums machen ihn aber schwungvoller. Der Sound wird etwas besser, bleibt aber weiterhin etwas zu komprimiert. Ich weiß nicht, ob es an dem genialen Blick in die Ferne liegt, aber den Song Sorrys finde ich wunderschön. 3 Minuten sind hier einmal die perfekt e Länge. Ich frage mich, ob es Zufall ist, dass sich die Titel so sehr an meine Schiffsreise „orientieren“, aber mit Life Is An Ocean ertönt ein weiterer Song, der in diese Richtung schippert. Bei dem vielen Wasser kommt man sich so klein und unwichtig vor. Ich kann der Aussage von Aviv Geffen daher nicht folgen. Ein Leben ist nichts gegen den Ozean. Um noch etwas zu dem Song selbst zu sagen, etwas belanglos und klanglich immer noch nicht das, was ich erwartete. Der Vocodereffekt ist eine gute Idee, fügt sich auch gut ein, aber holt hier nicht allzu viel heraus. Lately ist eine Uptemponummer und tut dem Verlauf des Albums definitiv ganz gut. Geffens Hang zum Poppigen harmoniert hier schön mit Wilsons Gewürzen, gute Nummer. Mit October wird es meiner Meinung nach wieder steveniger. Hier kommen auch wieder diese wunderschönen Streicher zum Einsatz, die übrigens vom London Session Orchestra eingespielt wurden. Was für eine schöne Ballade mit Dramatik und Melancholie, klanglich hier jetzt sehr stimmig. Mit „I found my happiness“ endet der Song, ich fand sie auch. Bei The Jackal zeigt Aviv gesanglich eine etwas andere Seite von sich und ich muss sagen, es steht ihm sehr gut. Er strahlt eine coolness aus, hat fast etwas rotziges, sehr gut. Im Wechsel mit dem mehrstimmigen Chorus, absolut geniale Nummer. Ich muss lachen, während ich beim Schreiben noch immer auf das Meer blicke ertönt der 10. Song, ein Blick auf mein MP3 Player zeigt den Namen Salt Water. Besser könnte es wirklich nicht mehr passen. 2:40 träumen mit dieser Instrumentalnummer, cool. Da sie fast nahtlos an die vorherige anschließt, gehen sie für mich beide als ein Longtrack durch. Undercover Heart ist mir wieder etwas zu banal. Zwar schöne Melodien, aber es fehlt mir ein Höhepunkt. Ganz am Ende klingt es fast, als käme noch ein Wechsel zu einem proggigeren Solopart, aber es war wohl eher nur der Bruchteil einer Hoffnung von mir. Lonely Soul startet mit dem Knistern einer Vinylscheibe, mal ganz andere Töne. Die weibliche Stimme stammt von wen auch immer, Google schweigt sich derzeit noch aus. Die Idee ist okay, aber mehr als ein Lückenfüller ist es dann auch nicht, obwohl am Ende mit Möwengegacker wieder das Ozeanthema aufgenommen wird. Mit From 44 To 48 wird es sehr Alan Parsons like und erinnert sehr an die Bands der 70er Jahre. Ein würdiger Abschluss des Albums.
Das Album V ist schon sehr kurzweilig und es ist über und über mit schönen Melodien bespickt. Mit Blick aufs Meer ist es wahrlich ein Traum. Klanglich würde ich noch einmal das offizielle Release abwarten, um mich endgültig festzulegen, aber ich finde es prinzipiell etwas zu stark komprimiert. Ich sehe ein, dass Blackfield nicht wirklich Prog machen, da würde es mich noch mehr stören, denn Prog lebt in meinen Augen auch gerade zusätzlich von der Dynamik des Mixes. Da Blackfield mehr Pop-Rock machen, kann ich darüber durchaus hinwegsehen, einzig bei Family Man nervt es mich sogar, ansonsten geht es soweit in Ordnung. Alles in allem schön, dass Steven und Aviv wieder zusammen rocken, ein wunderschönes Sideprojekt geht in die nächste Runde.
8 von 10 Rettungsringe würde ich hierfür über Bord werfen…

UPDATE: Nach mehrmaligem Hören muss ich die Bewertung des Klanges doch etwas korrigieren. Es ist doch ziemlich differenziert abgemischt. Bei zu hoher Lautstärke hat offensichtlich mein Kopfhörer nicht mehr ganz mitgemacht. Also klanglich hier doch durchweg ziemlich gut. Zu den 8 Rettungsringen gebe ich noch eine Aida Rettungsweste dazu. In neon orange…

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