Review: The Simulation Hypothesis von ALPHAMAY

ALPHAMAY veröffentlichen neues Album  – The Simulation Hypothesis

Im eigenen Profil auf der Band-Homepage stapeln die Osnabrücker Musiker Cris und Henning schon ziemlich hoch. Und doch ist ALPHAMAY eine der interessantesten deutschen Electropop-Bands. Dem vermag ich nach Hören der Promo definitiv nicht zu widersprechen. Insgesamt ist die Band von ihrer Geschichte und auch der personellen Besetzung echt spannend. Beide Musiker sind in der Band Rosencrantz aktiv, entschieden sich jedoch nach einem gemeinsamen und wirklich folgenschwerem Verkehrsunfall zur Gründung des E-Pop-Projektes ALPHMAY. Der Bandname leitet sich übrigens aus dem Unfalltag ab, dem 1. Mai 2012. An diesem Tag veränderte sich das Leben der beiden, insbesondere das von Cris, der seitdem im Rollstuhl sitzt. Für das was ich im Rahmen meiner Recherche über den Musiker und seinem Umgang mit diesem Schicksalsschlag gelesen habe, zolle ich ihm vorab schon einmal meinen allerhöchsten Respekt.

Das Album

Der erste Song MISSING ME startet gleich mit ordentlich Tempo und straffem Beat. Ein echter Tanzflächenfüller, der mit seinem professionellen Auftreten gleich erst einmal klar aufzeigt, dass hier erfahrene Musiker sehr genau wissen, was sie können. Auch mit dem zweiten Track DECAY OF A DREAM geht es genau so energiegeladen weiter, ALPHAMAY lassen nichts anbrennen. FRACTURES OF REALITY könnte locker aus den Hochzeiten des Synthpops in den Achtzigern stammen, durch den Gesang bewusst etwas düster und bedrohlich gehalten mit einem psychedelischen Touch. Auch wenn man immer geneigt ist, Musik mit den Werken anderer Künstler stilistisch zu vergleichen, wohl wissend dass es sich an sich nicht gehört, aber THE PILGRIMS WEEP könnte locker dem Blutengel-Dark-Pop zugeordnet werden. FLAT EARTH FLAT HEAD beginnt mit einem kurzen Einspieler um dann mit stampfenden Beat und verzerrtem Gesang fortzuschreiten. Ein absoluter Tanzflächenfüller, der echt beeindruckt.

In das gleiche Horn stoßen SUSPENDED ANIMATION, SIMULATION STREET und auch BOUND TO DANCE. Jeder Song für sich einzigartig und doch mit einem schönen roten Faden a´la ALPHAMAY verbunden. Klanglich perfekt, tolle Melodien und in eine zeitlose Eleganz gehüllt. Ja, die Lieder könnten aus den 80er / 90ern stammen…. tun sie aber nicht. Richtig schön gemacht.

COUNTING STARS beginnt melancholisch, der Gesang klingt weit weg, geradezu von außen betrachtend und lässt und kurz in dieser wunderschönen Langsamkeit verschnaufen, bis SERENITY beginnt. Sänger Henning geht hier gesanglich in die tiefen Töne, was wiederum seine stimmliche Breite toll verdeutlicht. Mit NO GOOD BYE verabschieden sich ALPHAMAY ganz unaufgeregt, aber von einer tollen eingängigen Melodie getragen auf ihrem Album THE SIMULATION HYPOTHESIS.

Fazit

Chris und Henning geben nicht viel auf musikalische Schienen und schaffen ihre Musik so, wie es ihnen gerade gefällt. Das ist nicht nur gut und wichtig, sondern vor allem absolut richtig. Denn nicht ein Song gleicht einem anderen, es klingt immer wieder anders, die Arrangements setzen immer wieder auf einen anderen klanglichen Schwerpunkt. Alles Songs lassen sich gut mitsingen. Einige Songs werden sicherlich auf den Tanzflächen für ordentlich Betrieb sorgen, während COUNTINGS STARS oder NO GOOD BYE eher etwas zum kuscheln sind. Mit THE SIMULATION HYPOTHESIS beweist das Synthpop-Duo ALPHAMAY nicht nur, dass sie in ihrer Selbstdarstellung definitiv nicht zu hoch stapeln, sondern tatsächlich beeindruckenden authentischen Synthpop in beachtlicher Qualität abliefern. Ganz großes Kino, echt tolle Scheibe.

THE SIMULATION HYPOTHESIS erscheint am 19. Mai 2017.

Line-Up

Cris – Musik, Video und Licht
Henning – Stimme und Video

http://www.alphamay.de/
https://www.facebook.com/electronicavantgarde/

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