Brit Floyd Live in Berlin 2016

Konzert Review: Brit Floyd in Berlin

Der Admiralspalast in Berlin war mir bisher nur als Theater Location bekannt. In einem kleineren Saal des Komplexes hatte ich schon mal ein sehr witziges Comedy Stück namens ‚Cavemen‘ gesehen, aber wen interessiert das schon? Am 1.11.2016 waren wir im Hauptsaal, schickes Teil, hier erwartet man eher ein Theaterstück oder eine Operette, dennoch sind hier Brit Floyd zu Gast. Ziemlich spät dran frage ich am Eingang ob wir zu spät seien, man sagt uns sie haben soeben angefangen, pünktlich um 20 Uhr. Ein Glück ist noch alles dunkel und unsere Plätze sind in der ersten Reihe schnell zu erreichen. Auf der Bühne steht ein Typ, der mir unbekannt ist, mit Gitarre in der Hand. „Wer isn dit? Stimmt der hier noch die Instrumente?“ Offensichtlich ein neuer Gitarrist, aber wo ist Bobby Harrison? Dieser geniale Linkshänder, bei dem es einfach immer besonderen Spaß machte, ihn beim Spielen zuzusehen. Der, der ein Shine On You Crazy Diamond nahezu perfekt spielte. Schauen wir erst einmal was Edo Scordo, so heißt der neue Leadgitarrist, aus den Saiten zaubert. Der erste Song kommt vom Album A Momentary Labs Of Reason und markiert auch hier das Intro, Signs Of Life. Also das kann Edo schon mal recht gut, er wirkt noch etwas nervös, aber sein Spiel ist tadellos. Er trifft nicht nur alle Töne exakt, selbstverständlich, sein feeling passt auch. Der nächste Song Learning To Fly, naja, lassen wir das. Ich achte bei dem Stück mehr auf den mäßigen Klang, als auf die Musik, aber ich will mich hier auch eher auf die Highlights beschränken, die Setlist weiter unten kann sich jeder selbst rein ziehen. Bei High Hopes geht plötzlich die Saal-Beleuchtung an, Publikum und Musiker sind irritiert, „kann das mal einer wieder aus machen?“. Interessant wie sehr solch eine falsche Beleuchtung den Musikgenuss stören kann. 3 Minuten später, eine gefühlte Ewigkeit, ist es wieder dunkel. Auf der Bühne wird das erste Mal die Lap Steel Guitar aufgebaut, Damian Darlington, der erste Mann der Band spielt sie hervorragend. Ich finde ihn sonst an der Gitarre ganz okay, aber an dieser waagerecht auf einem Tisch gespielten Gitarre ist er absolut spitze. Das würde sicher auch David Gilmour gefallen. Über seine gesanglichen Qualitäten gibt es nichts schlechtes zu sagen, grundsolide. Anschließend ertönen die ersten Klänge von Shine On You Crazy Diamond, jetzt bin ich sehr gespannt, was Edo Scordo nun drauf hat. Es ist wirklich ein Traum. Die Finesse von Gilmour besitzt er nicht, aber wer tut das schon? Genial gespielt, leider fehlt dem Song im Mittelteil der verlängerte Gitarrenpart, schade. Das ganze wird aber wieder gut gemacht, als ein riesiges Bass- oder Baritonsaxophon auf die Bühne gestellt wird. Jay Davidson, bisher eher im Hintergrund mit Percussion beschäftigt, wird es spielen. Es klingt knarrig und tief, ziemlich genial, im weiteren Verlauf wechselt er blitzschnell auf ein höher gestimmtes Sopransaxophon, wahnsinn, so haben es Pink Floyd auch 1975 auf dem Album Wish you were here gemacht. Es klingt genauso und es wird auch exakt so gespielt. Mr. Davidson ist wie Edo erst seit 2015 mit dabei, aber beide machen Ihre Sache fantastisch. Poles Apart hab ich von einer Coverband vorher noch nie gehört, kommt gut, aber zur Pflichtnummer wird es sicherlich nicht. Us And Them ist eigentlich ein wunderschöner Song, aber leider zeigen sich hier die klanglichen Mängel ganz besonders stark und alles versinkt nur noch in einem Sound-Brei. Es folgt das typische The Wall Set und endet mit dem Titeltrack Another Brick In The Wall, naja, war nie mein Lieblingssong und wird es auch eigentlich nicht, aber nach dem typischen Gitarrensolo am Ende, folgt ein Advanced Part. Offensichtlich selbst hinzu komponiert und mega gut. Es ist etwas rockiger, hätte aber definitiv auch von Pink Floyd stammen können. Der letzte Song der ersten Hälfte ist vom Album Animals, leider der einzige Song von diesem Album und leider nicht Dogs! Gespielt wurde Pigs aber absolut genial, der Keyboarder Rob Stringer hat es gut drauf und die Talk Box von Damian im Mittelteil ist einfach nur schön.

Schnell auf die Toilette und ein Bier zum Auffüllen geholt, nur nicht den Anfang von Echoes verpassen, dies ist nämlich bisher immer der erste Titel der zweiten Hälfte gewesen und auch jetzt. Ich liebe ihn! Zu Tränen rührt er mich dieses Mal nicht. Er ist super gespielt, der Klang ist besser geworden, ein Stück leiser. Das Erlebnis damals im Tempodrom kann es aber nicht im geringsten toppen. Yet Another Movie und Round And Around sind Stücke, die ich Ende der 80er das letzte Mal live gehört habe, ich erinnere mich an das Konzert vor dem Reichstag in Berlin zurück, schön war es, lange nicht gehört, aber kein wirkliches Muss. Nach 2 weiteren Stücken des The Wall Albums kommt eine weitere Perle des Abends. Ein unglaublich genial gespieltes One Of These Days. Der Bass am Anfang geht unter die Haut. Ian Cattell singt nicht nur gut die Roger Waters Parts, er spielt auch einen souveränen Bass. Damian dann wieder an der Lab Steel, wow! Nun sind endlich wieder Songs der Dark Side Of The Moon dran. Time/Breathe (Reprise) kommen schon gut, aber was in The Great Gig In The Sky abgeht ist wieder einmal der Hammer. Eine der Backgroundsängerinnen gibt Ihr bestes, Angela Cervantes ist Ihr Name und sie singt zum weinen schön! Im Anschluss der Pflichtsong Money, als Liveversion für mich meist nur so lala, aber auch hier wird im Mittelteil hinzu komponiert und ich fange den Song an zu lieben. Was Backgroundsängerin Jacquie Williams da macht ist grandios und passt extrem gut in den Song. In dieser Version ist es für mich zu einem „must hear“ geworden. Der letzte Song vor der Zugabe ist Comfortably Numb, gut gespielt, es kam mal wieder eine Diskokugel von der Decke, zu oft gehört, zu oft gesehen und vom The Wall Album hatten wir auch langsam genug, zumal zum Abschluss immer noch Run Like Hell kommt. Wer bis dahin den Klassiker Wish You Were Here vermisst hatte, wurde nun befriedigt und zum Schluss dann den schon erwähnten Song, leider Standard.

Die Lichtshow war solide, nichts besonderes, aber schon sehr schöne Stimmungen, immer passend zur Musik und auf den Punkt synchronisiert. Hier kann man wirklich nicht meckern. Die Animationen an der typisch runden Leinwand sind und waren bei den „Brits“ nie besonders gut. Für die original Filme werden Lizenzen zu teuer sein, so hat man die bekannten Filmchen aus der Pink Floyd Ära ähnlich animiert. Gut ist anders. Das können The Australian Pink Floyd Show aber auch nicht besser. Was sie den „Aussies“ aber vorweg haben ist die Musikalität und die Detailtreue der Darbietung.

Insgesamt war ich aber schon sehr zufrieden, ich hätte mich schon noch über Songs wie Welcome To The Machine, Dogs, Have A Cigar oder die letzten Parts von Shine On You Crazy Diamond gefreut, aber 2 Stunden und 40 Minuten sind zwar lang, aber auch keine Ewigkeit. So hoffe ich aufs nächste Jahr und die Playlisten sind mit jeder Tour ja ein Glück immer etwas anders. Der ein oder andere „Hit“ darf aber auf jeden Fall auch mal weggelassen werden.

Bandmitglieder:

Setlist:

Set 1:
Signs of Life
Learning to Fly
High Hopes
Shine On You Crazy Diamond (Parts I-V)
Poles Apart
Us and Them
The Happiest Days of Our Lives
Another Brick in the Wall Part 2
Pigs (Three Different Ones)

Set 2:
Echoes
Yet Another Movie
Round and Around
Empty Spaces
Young Lust
One of These Days
Time
Breathe (Reprise)
The Great Gig in the Sky
Money
Comfortably Numb

Zugabe:
Wish You Were Here
Run Like Hell

Band-Website

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