Album-Review: „Once Upon A Time“ von Xiphea

Die Band

Die Liebe zur Romantik, dem Mystischen, dem Märchenhaften gepaart mit einer mindestens ebenso großen Liebe zu knallhartem Heavy Metal wie aber auch klassischer Musik ergibt dann Fairytale Metal. Ich gebe zu, dass ich ursprünglich nicht viel mit dieser Bezeichnung anfangen konnte. Das änderte sich aber schlagartig, als ich das erste Mal XIPHEA hörte. Brachial harte Riffs und Drums, orchestrale Dominanz, dazu ein sehr klarer Gesang  und wahnsinnig viel Tempo. All das ist die Musik der Süddeutschen.

2011 gründeten Sabine,  Neil und Thamas  dieses Projekt, um eigene Songs zu schreiben, aber auch um die Songs am Leben zu erhalten, die Sabine in ihrer vorherigen Band RAWKFIST geschrieben hatte. Sabine liebt Magie, denn es macht alles möglich und öffnet die Tore zu den Träumen.

XIPHEA ist mehr als nur eine Band. Hinter XIPHEA verbirgt sich ein selbst erdachtes Märchen, dessen Heldin mit eben diesem Namen die liebens- und bewundernswerten Eigenschaften wie Leidenschaft, Mut, Sanftheit, aber auch Stärke verkörpert. Sie ist die Schutzpatronin und Namensgeberin der Band.

Mit ONCE UPON A TIME hat die Band ein Konzept-Album geschaffen, das Seinesgleichen sucht. Ich weigere mich an dieser Stelle die Musik dieser Band, dieses Albums mit anderen Bands zu vergleichen. Es wäre dem nicht gerecht, denn was die drei hier musikalisch abliefern ist ganz großes Kino. Vielleicht liegt das auch ein wenig daran, dass sich XIPHEA einfach getraut haben, Märchen zum Mittelpunkt dieses Albums zu machen. Aber wie kommt man darauf, ein Märchen zu vertonen?

Sabine: „Es war ein unheimlich spontaner Augenblick. Ich hatte zu drei Songs schon längst die Texte fertig und sie hatten rein gar nichts mit Märchen zu tun. Aber ich wollte ein Märchen erzählen und konnte mich nicht entscheiden, welches ich nehmen sollte.
Ich habe Neil gefragt, der einen Hauptanteil am Songwritingprozess hat. Als er meine Begeisterung, die ich nie verbergen kann, wenn es um Fantasie oder romantische Geschichten geht, gespürt hat, sagte er: „Mach doch nur Märchen… machen wir doch ein Märchenalbum“.

Der Einwand war perfekt. Ich habe sofort gespürt, wie sehr mich die Idee glücklich macht, anspornt und befriedigt.
Damit war die Entscheidung getroffen und ich durfte einen Monat damit verbringen, Märchen zu lesen und mich in viele Charaktäre hinein zu versetzen. 
Eine aufregende Zeit und heute bin ich sehr glücklich über das Ergebnis.“

Und dieses Ergebnis betrachten wir nun Track für Track.

We Are The Wind

Ich starte den Player und meine Welt ist irritiert, aber in Ordnung. Leise erklingt die Melodie von Hänsel und Gretel bis mir eine halbe Minute später auch der letzte Funken Illusion auf ruhige beschauliche Musik brutal aus den Ohren gehämmert wird. Wo andere Bands die erste Minute eines Liedes ruhig angehen lassen und sich zum Ende hin steigern, legen XIPHEA von Anfang an ein beachtliches Tempo vor. Es wird hart, es wird laut, die Drums prasseln nur so auf mich ein und erwecken den Wunsch, es möge immer so weiter gehen. Und zu meiner Befriedigung ist es auch so. Eine sehr eingängige Melodie wird exzellent von Sabines Gesang ergänzt.  Der Refrain mutiert zum Ohrwurm, ob der Drums bleiben auch die Füße nicht still auf dem Boden. Das Lied reißt mit und macht Hunger auf ganz viel mehr.

Cinderella

Dieses Lied beginnt genauso „nett“ und ruhig, bis Gitarren und Drums einsetzen. Auch hier wird man sofort mitgerissen. Das Tempo dieses Songs macht es nicht ganz leicht mitzusingen, aber wenn man den Text erst einmal drauf hat, geht es gleich viel einfacher. Dankenswerter Weise haben XIPHEA zu diesem Lied ein Lyrik-Video veröffentlich, was übrigens wahnsinnig schön geworden ist. Unbedingt anschauen !
Plötzlich ist die Luft raus, eben noch ganz laut, vom Refrain noch völlig mitgerissen, wird es plötzlich ruhig, geradezu mystisch. Und genau an dieser Stelle bin ich das erste Mal richtig davon überzeugt, dass die drei ganz genau wissen, was sie da mit ihrer Musik schaffen. Sie erwecken Gefühle, sie regen die Phantasie an, man taucht förmlich in das Lied ein, ist IM Lied. Ganz große Kunst vor der ich meinen nicht vorhandenen Hut ziehe.

The Shrine Of Ama

Mit diesem Lied widmen sich XIPHEA ihrem eigenen Märchen.
Von Anfang an von orchestraler Dominanz geprägt überrascht das Lied zeitweise mit kurzen Pausen der Instrumente, in denen Sabines Stimme richtig zur Geltung kommt. Bohlen würde vermutlich sagen, man höre sie unter Tausenden heraus. So ist es auch, denn sie hebt sich mit ihrer Stimmlage und der Vibrato deutlich von den meisten Sängerinnen im Symphonic Metal ab. Über THE SHRINE OF AMA kann ich nicht viel Neues schreiben, was nicht bedeuten soll, es wäre schlecht. Aber das musikalische Niveau ist einfach sehr hoch und auch dieser Song mittendrin.

Mirror On The Wall

Spieglein, Spieglein an der Wand…. wer singt die schönste Fairytale im Land?
Ein Lied voller Gegensätze. Nicht nur was das Tempo im Lied angeht, sondern auch Sabines lyrischer Gesang im Kampf mit dem bösen Growl.

Ich bin ja nicht wirklicher Fan der Shouts und des Herumgrummelns. Aber wenn es in angemessenen Dosen und vor allem thematisch passend platziert wird, dann bin auch ich dabei.
Diese Mischung gelingt auch in diesem Song sehr gut.

Dancing With The Wolves

Fahren wir fort im Bereich der Gegensätze. Dieses Lied beginnt recht schnell, wird dann aber immer wieder von deutlich ruhigeren Passagen unterbrochen. XIPHEA geben Gelegenheit zu Verschnaufen. Aber keine Sorge, diese Verschnaufpausen sind stets nur von kurzer Dauer. Zeitweise gewinne ich den Eindruck, die Kraft der besungenen Wölfe spiegelt sich in den Riffs wieder. Kraftvoll dominieren sie weite Teile des Liedes.

The Little Mermaid

Hier geht’s stimmlich zur Sache. Gleich zu Beginn des Liedes setzt ein Chor ein. Und der leistet das ganze Lied hindurch wirklich gute Arbeit. Insgesamt nicht so schnell wie die anderen Songs, aber auch wirklich sehr schön gemacht. Und immer wieder diese wechselnden Tempi und eingestreuten ruhigeren Passagen. All dies macht aus der kleinen Meerjungfrau ein sehr kurzweiliges Hörvergnügen.

Power Of The Dwarfs

Wer so bodennah lebt wie ich, freut sich, wenn über die Kraft der Zwerge berichtet wird. Und wenn dies dann auf so eine wundervolle Art wie in diesem Lied geschieht… perfekt. Stellenweise erlebe ich hier einen bisher nicht gehörten, leicht lasziv anmutenden Klang der Frontfrau, dazu ein Chor der Zwerge. Ein bisschen Musketierpathos klingt aus dem Text heraus. Aber wenn alle Zwerge für einander einstehen, sind auch die größten Hürden keine Hürden mehr. Authentisch, glaubwürdig, toll.

Briar Rose

Ich mag ja Grimms Märchen und auch Dornröschen habe ich meinen Kindern schon vorgelesen.
Bei BRIAR ROSE hätte ich allerdings Bedenken, dass die Kids nicht schlafen können. Sie würden in ihren Bettchen mit den Füßen hippeln und diesen, sich ins Ohr brennenden, Refrain ohne Unterlass vor sich her singen. In der Mitte des Liedes überrascht mich ein, zwar kurzes aber nicht weniger beeindruckendes Gitarrensolo. Davon dürfte es sehr gerne etwas mehr geben. Wunderschöne Interpretation des Volksmärchens.

Gracious Fate

Langsam bekomme ich Probleme bei dieser Rezension. Nach all den Lobpreisungen hoffte ich nun, in diesem Lied etwas zum Mäkeln zu finden. Aussichtslos. GRACIOUS FATE sticht aus den anderen Songs nicht heraus, steht aber auch keineswegs irgendwo hinten an. Tempogeladen, eingängiger Refrain, kraftvolle Riffs…. Einfach eine echt runde Nummer.

Star Talers

Huch, was ist geschehen? Habe ich am Player das Wiedergabetempo verändert? Nein… die Stimme passt. Es beginnt ein ungewohnt ruhiger Song. Haben XIPHEA mein Stoßgebet nach einer Ballade etwa erhört? Ganz offensichtlich. Der Drummer darf verschnaufen, scheint ein Stück weit im Leerlauf zu sein, vergleicht man seinen bisherigen Dauerlauf über das ganze Album. Auch der Gitarrensound hält sich anständig zurück, dafür drängt Sabine mit ihrem Gesang nach vorne. Am Ende erschuf die Band hier eine wunderschöne Ballade und nimmt deutlich Tempo raus, denn das Ende ist nah. STAR TALERS ist der letzte Song auf ONCE UPON A TIME und irgendwie fühle ich mich wie nach einem kilometerlangem Sprint den ich jetzt auslaufen darf um dann glücklich, aber erschöpft zu enden.

Fazit

Mit ONCE UPON A TIME haben XIPHEA etwas wirklich Bemerkenswertes geschaffen. Selten war ich dermaßen von einem Album beeindruckt und zugleich irritiert, dass eine Band, die etwas so Großartiges an Musik herausbringt, nicht bereits viel bekannter ist. Natürlich kann die Band auf ein nicht unerhebliches Maß an Erfahrung zurückgreifen. Aber es gehört doch schon sehr viel Mut dazu, in einem so harten Genre wie dem Metal über Märchen, Zwerge, Elfen und Meerjungfrauen zu singen. Erfahrung und Mut haben sich ausgezahlt und so entstand ein wirklich tolles und uneingeschränkt empfehlenswertes Album. Chapeau !

Das Album erscheint am 27.10.2016.

Ein persönliches Wort an die Band:

Aber Ihr lieben drei: Ihr habt mit diesem Konzeptalbum die Messlatte auf ein sehr hohes Niveau gelegt. Sicherlich wird man Eure zukünftigen Alben an genau dieser messen. Ihr versteht es, Euer Publikum in Eurer Musik zu fesseln und zu begeistern. Ich wünsche Euch, dass Euch dies auch weiterhin gelingt.

5 von 5 Zwergen plus zwei Sterntaler als Tip ;-)

Homepage:   https://www.xiphea.com
Facebook:     https://www.facebook.com/Xiphea/

Nächste Live-Show:

Samstag 29.10.2016 20:00 Uhr
Female Metal Night – Xiphea Release Party,
Luise Cultfactory Nürnberg

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