Konzert Review: The Cure Live in Berlin

Was ich dachte, als ich am 18.10.2016 auf dem Weg zum Konzert von The Cure war? „Play for today“‚ dachte ich. Und das mit einer gewissen Vorfreude auf den gleichnamigen Song der Band. Dass ich ihn an diesem Abend gar nicht zu Ohren bekommen sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar, aber beginnen wir am Anfang.

Um 19 Uhr war Einlass in die Mercedes Benz Arena in Berlin. Meine Begeisterung hält sich bei dieser Location immer enorm zurück, weil sie klanglich bisher einfach nie wirklich der Rede Wert war und mir generell große Arenen selten gefallen. Ich mag es einfach lieber etwas intimer und vor allem ist mir auch das klangliche Erlebnis sehr wichtig.

What ever, um 19.30 Uhr stand jedenfalls die Vorgruppe ‚The Twilight Sad‘ auf der Bühne. Die ersten Töne ertönen… hm, klanglich top, musikalisch top, gesanglich top. Hey, die Jungs sind verdammt gut, der erste Song „Reflection Of The Television“ kommt live fantastisch. Ich hatte zuvor von den 4 Glasgowern noch nie etwas gehört, dabei haben sie seit 2006 schon 4 Alben und 6 EP’s veröffentlicht. Diese schottische Mundart gefällt mir eh ganz gut und Sänger James Graham weiß die Halle mit einer verdammt klaren Stimme zu beschallen. Die Jungs spielen ganze sieben Songs und haben live mehr als überzeugt.

Um 20:30 Uhr ist es dann endlich soweit. Die 5 Musiker von The Cure betreten die Bühne, Robert Smith wirkt wie zu erwarten etwas verschüchtert und legt einfach los ohne sich seine 14.000 Fans in der ausverkauften Arena großartig anzusehen. Er muss offensichtlich erst einmal warm werden. Das macht er mit dem Eröffnungssong „Shake Dog Shake“. Nicht der stärkste Song, aber zum warm werden durchaus gut geeignet. Leider fällt auch sofort der zwar lautere, aber dadurch leider auch bescheidenere Sound auf. Es klingt gesättigt, ein Phänomen, das ich immer wieder erlebe. Auf Kosten der Reinheit des Klanges massiv aufgedrehte Lautstärke, da gefielen mir die Schotten vorab schon mal besser. Der zweite Song „Fascination Street“ tröstet aber bereits das erste mal erfolgreich darüber hinweg, dass es klanglich nicht 100%ig punktet. Sehr schön gespielt, Roberts Stimme noch super und das erste Mal fällt mir insbesondere auch der Drummer auf. Jason Cooper ist sein Name und er hat wirklich ein ultra sauberes Timing und die Abstimmung seines Drumsets ist wahrlich ein Genuss.

Die Setlist plänkelte zunächst so ein bisschen vor sich hin. Durchaus ausgewogen, aber die großen Hits sollten noch folgen. Bei „In Between Days“ werden die Fans aber das erste mal etwas munterer, mich packt das noch nicht wirklich. Den Tiefpunkt, und das ist mein ganz persönlicher Geschmack, markierte nach ca. 45 min. der neunte Titel „Friday I’m In Love“. Ein Song, den sich The Cure einfach hätten sparen können. Als Single konnte ich ihn 1992 noch nachvollziehen, man brauchte nach den super Alben ‚Disintegration‘ und ‚Entreat‘ ein mainstreamiges Zugpferd für das Album ‚Wish‘. Live hier aber absolut unnötig. Dennoch tanzt der Mob das erste Mal etwas ausgelassener. Hieran erkennt man schön, dass sich Fans von The Cure in mehrere Lager einteilen lassen. Ich kann eher mit der Musik der frühen Tage etwas anfangen, damals waren noch eine Mischung aus Punk und New Wave stilführend. Andere feiern eher die etwas melodiöseren Hits der 90er ab, die sich schon deutlich von den Anfängen unterscheiden und oft auch weniger düster und teilweise gefälliger waren. Wie auch immer, mein persönlicher Tiefpunkt hatte auch sein gutes, denn von diesem Zeitpunkt an wurde es besser. Es folgten „Boys Don’t Cry“, ein tolles „Pictures Of You“ und „Love Song“. In letzteren fiel mir das erste Mal der Keyboarder Roger O’Donnell auf, aber leider eher negativ. Er stand die ganze Zeit nur da wie ein Statist, war nie im Fokus und sein Spiel war zum einen ziemlich leise und zum anderen passten die Sounds nie 100%ig. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Liebe zum Detail gewünscht. Insgesamt war es aber sicherlich beabsichtigt die Gitarren fordergründig zu plazieren und die waren von Robert Smith und Reeves Gabrels tadellos gespielt, wenn auch immer curetypisch leicht intoniert. Der Bassist Simon Gallup wusste sich in Szene zu setzen und das nicht nur mit seiner extrovertierten Art, sondern auch mit dem Spiel seines Basses.

Nach 19 Liedern gab es die erste Pause, aber nicht einmal 5 Minuten später ging es mit einem unveröffentlichten Song weiter. Robert sprach auch das erste Mal zum Publikum. „It Can Never Be The Same“ sei ein „unreleased track“. „Hallo Robert, schön, dass Du da bist“ hätte ich ihm am liebsten erwidert. Ein wirklich guter Song, aus welcher Zeit er stammt, kann ich nur vermuten. Alle Bootlegs mit diesem Song stammen aus 2016, von daher könnte es eine Art Test für ein kommendes Album gewesen sein. Der letzte Song in der ersten Zugabe ist seit jeher mein Favorit, „A Forest“. Mit 9 Jahren hörte ich diesen Song das erste mal bei meinem Bruder und war von dem Tag an begeistert von The Cure. Ich mag das dunkle, melancholisch traurige in dieser Musik. Der Song war jetzt schon das Highlight des Abends. Zum Ende des Songs hin klatschte fast die komplette Arena im Takt des Basses. Simon Gallup wusste es auch extra zu verlängern, um den Moment zu genießen, für mich ein sehr schöner Augenblick.

Es hätte hier nun zu Ende sein können, es sollte sich aber herausstellen, dass noch weitere 10 Songs kommen werden. Die zweite Zugabe hatte seinen Höhepunkt mit den Tracks „Dressed Up“ und „Lullaby“. Inzwischen hatten wir es 23 Uhr, ich stand ein wenig ungläubig da, als ich die Uhrzeit bemerkte und die dritte Zugabe begann. Bester Song im letzten Abschnitt meiner Meinung nach „The Caterpillar“. Klassisch wurde aber zum Abschluss „Close To Me“ und „Why Can’t I Be You?“ performed und ein sichtlich gerührter Robert Smith bedankte sich ausgiebig bei allen Fans.

Nach fast 3 Stunden Nonstop The Cure bin ich erschöpft. Erschöpft vor allem vom zu lauten und gesättigten Sound, aber auch von The Cure selbst. Da waren dann doch zu viele Songs dabei, die mich nicht so ganz mitgerissen haben und im Gegensatz dazu fehlten mir meine absoluten Perlen wie „10:15 Saturday Night“, „Killing An Arab“ und „Play For Today“, auf den ich mich doch schon zu Beginn so sehr gefreut hatte. Stimmlich war Robert Smith eher durchschnittlich, aber ein großer Sänger war er eh nie. Der Preis von 72 € für den Innenbereich war hier aber dennoch gerechtfertigt. Man kann wirklich sagen, dass es sich insgesamt gelohnt hat. Und wenn Robert mit seiner Band noch einmal wieder kommen, dann bin ich für 50 €, einer besseren Location, einer Stunde weniger und vor allem wenigstens einen weiteren meiner Lieblingssongs wieder dabei…

Setliste:

The Twilight Sad

  1. Reflection of the Television
  2. Last January
  3. I Could Give You All That You Don’t Want
  4. Seven Years of Letters
  5. It Never Was the Same
  6. There’s a Girl in the Corner
  7. And She Would Darken the Memory

The Cure

  1. Shake Dog Shake
  2. Fascination Street
  3. A Night Like This
  4. The Walk
  5. The Baby Screams
  6. Sleep When I’m Dead
  7. Push
  8. In Between Days
  9. Friday I’m in Love
  10. Boys Don’t Cry
  11. Pictures of You
  12. High
  13. Lovesong
  14. Just Like Heaven
  15. From the Edge of the Deep Green Sea
  16. Want
  17. alt.end
  18. One Hundred Years
  19. Give Me ItZugabe:
  20. It Can Never Be the Same
  21. Sinking
  22. Burn
  23. A ForestZugabe 2:
  24. Dressing Up
  25. Lullaby
  26. Never Enough
  27. Wrong NumberZugabe 3:
  28. The Perfect Girl
  29. Hot Hot Hot!!!
  30. The Caterpillar
  31. Let’s Go to Bed
  32. Close to Me
  33. Why Can’t I Be You?

Stage Setlist The Cure

Weitere Tourdaten:

MÜNCHEN
Olympiahalle München Mo, 24.10.16
19:30 Uhr

WIEN
Marx Halle Mi, 26.10.16
20:00 Uhr

STUTTGART
Hanns-Martin-Schleyer-Halle So, 06.11.16
18:30 Uhr

FRANKFURT
Festhalle Frankfurt Mo, 07.11.16
19:30 Uhr

KÖLN
LANXESS arena Do, 10.11.16
19:30 Uhr

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